Vereinschronik des 1. RV Stuttgardia Stuttgart 1886 e.V.

Festschrift zur 125 Jahrfeier 2011

125 Jahrfeier

 

GESCHICHTE

 

Der 1. RV Stuttgardia Stuttgart 1886 e.V. entstand aus dem Zusammenschluss der Vereine "Radfahrer Verein Stuttgart 1886" und dem "RSV Stuttgardia 1908" im Jahre 1971.

Während man beim "Radfahrer Verein Stuttgart" das Korsofahren, Hallensport und Rennsport gleichermaßen pflegte, stand beim "RSV Stuttgardia" von Anfang an der Rennsport im Mittelpunkt.

In der Gründerzeit gingen schon bald auch die Motorradfahrer im Vereinslokal des "Radfahrer Verein" ein und aus. Die Gruppe der Motorisierten war schließlich so groß, dass bei einer Versammlung im Jahr 1903 durch Abspaltung es zur Gründung der "Deutschen Motorradfahrer-Vereinigung" führte, die sich 1911 in "Allgemeiner Deutscher Automobil-Club" ADAC umbenannte.

Der ADAC hatte also seine ursprüngliche Heimat in Stuttgart und bei den Zweirädern.

Gründungsurkunde - hier klicken

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50 Jahre Vereinsgeschichte des RSV Stuttgardia 1908 e.V. in der Zeit 1908-1957

 

Man schrieb das Jahr 1908, als sich einige Radsportfreunde zusammenfanden und den Radfahrer-Verein "Stuttgardia" gründeten. Leider sind alle schriftlichen Unterlagen, sowie zahlreiche, zum Teil sehr wertvolle Ehrenpreise und das Vereinsbanner durch Bombenangriff im letzten Weltkrieg in Verlust geraten, sodass genaue Anhaltspunkte über die Gründungsmitglieder nicht mehr vorliegen. Einige Namen der Gründer und dieser Kameraden, die sich unmittelbar nach der Gründung dem Verein angeschlossen haben, dürften vielleicht noch bekannt sein. Es sind dies die Kameraden: Otto Klenk, Adolf Diener, Karl Fiedler sen., Schaber, Winkle, Jos. Fahrner, Hans Werner, Heinrich Jakob, Wilhelm Hahn, Rathfelder, Obergfell und andere.

War es anfänglich das Wander- und Korsofahren, das die einheitlich gekleideten Vereinskameraden pflegten, so wurde bald nach der Gründung auch der Renn- und Saalsport aufgenommen. Im Jahre 1909 trat der Verein mit seiner Bannerweihe erstmals in die Öffentlichkeit und bereits im Jahre 1911 wurde erstmals das heute zur Tradition gewordene Straßenrennen "Rund in Stuttgart" durchgeführt.

In den Jahren vor und unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg war der Verein Mitglied der "Allgemeinen Deutschen Radfahrer-Union". Es war dies neben dem Bund Deutscher Radfahrer (oder Deutscher Radfahrer Bund, wie sich damals der heutige BDR nannte) die bedeutendste Dachorganisation der Radfahrer-Vereine. Um das Jahr 1919/20 schloss sich der Verein dem neu gegründeten RLVW (Radfahrer Landes-Verband Württemberg) an, der seinerseits wiederum, wie die übrigen deutschen Regional-Verbände, der VDRV (Vereinigung Deutscher Radsport-Verbände) angehörte. Im süddeutschen Raum waren die Vereine, welche der VDRV angehörten dem BDR gegenüber in der Mehrzahl und so waren auch die VDRV - Wettbewerbe sehr stark beschickt.

Wie heute, im Jahre 1958, so war in den vergangenen 50 Jahren stets der Ruf nach einer Radrennbahn laut geworden, aber immer waren es - wie heute noch - leere Versprechungen, die den Radsportlern seitens der Stadtväter zuteil wurden. Der Verein entschloss sich daher im Jahre 1921 an das staatliche Rentamt heranzutreten und um Überlassung der mittleren Anlagen zu Radrennen zu bitten. Diesem Wunsche wurde entsprochen und der Verein veranstaltete bis zum Jahre 1924 alljährlich den "Großen Frühlingspreis"  und den "Großen Herbstpreis" in den mittleren Anlagen. Diese Radrennen waren immer sehr gut besucht und trugen sehr zur Werbung für den Radsport bei. Um diese Zeit verfügte der Verein neben einer stattlichen Rennfahrer-Abteilung auch über gute Radball- und Reigenmannschaften. Im Rennsport waren zur damaligen Zeit die Kameraden Eugen Mergenthaler, Anton Blattner, Karl Haug, Robert Mezger, Reinhold Stäbler, Ludwig Röhm, Otto Klenk, Wilhelm Haas, Paul Wolbold, Gebr. Karl und Friedrich Schuler und viele andere, die dafür sorgten, dass der Name "Stuttgardia" im deutschen Radsport bekannt wurde. Im Radballsport stellte der Verein mit den Mannschaften Fiedler jun. - Lorch und Seybold - Mochel mehrmals den Württembergischen und Süddeutschen Meister.

Das Interesse am Saalsport ließ unter den Mitgliedern allmählich nach und die Vereinsleitung entschloss sich im Jahre 1926 die Saalmaschinen zu verkaufen und nur noch den Renn- und Wanderfahrsport zu betreiben.

Der Bund Deutscher Radfahrer gewann im Laufe der Zeit auch im süddeutschen Raum immer mehr an Bedeutung und als im Jahre 1927 die Stuttgarter Winterbahn in der Stadthalle eröffnet wurde, fasste man den Beschluss, zum BDR überzutreten. In dieser Zeit konnte der Verein seine Rennfahrerabteilung mit folgenden jüngeren Kräften verstärken: August Kimmig, Gebr. Paul und Willy Weisser, Eugen Kiedaisch, Walter Paulus, Eugen Urban und andere. Sowohl im Mannschaftsfahren als auch in Einer-Wettbewerben auf Bahn und Straße war der Verein wie immer erfolgreich. Anstelle der Anlagen-Rennen wurden nun Aschenbahn-Rennen auf dem VfB-Platz und später im Neckarstadion veranstaltet. Die großen Erfolge unserer Rennfahrer brachten es mit sich, dass sich auch zahlreiche Jugendfahrer dem Verein anschlossen und im Laufe der Zeit zur deutschen Spitzenklasse heranreiften. Als sehr vorteilhaft hat sich bei der Heranbildung der Jugendfahrer stets die Anleitung der älteren Rennfahrer erwiesen, besonders war es hier Altmeister August Kimmig, der sowohl in den monatlichen Rennfahrer-Versammlungen als auch beim Training auf der Straße seinen jüngeren Vereinskameraden mit Ratschlägen beistand.

In jugendlichem Eifer und von kameradschaftlicher Zusammengehörigkeit beseelt, gründeten im Jahr 1926 einige radsportbegeisterte Jungens den Radsport-Verein "Schwobaland" Stuttgart und schlossen sich dem Radfahrer Landes-Verband Württemberg an

Von diesen Gründern des "Schwobaland" gehören heute noch die Mitglieder Bezner, Faußner, Karl Weber und Ziegler dem RSV "Stuttgardia" an.

Aus eigener Kraft, ohne zusätzliche Verbandsmittel, mußten die aktiven Fahrer ihr Hobby, den Rennsport, pflegen und es war erstaunlich, dass trotz aller Primitivität des Trainings und wenn man es heute betrachtet, auch des Materials, Verein und Fahrer von Jahr zu Jahr zu immer besseren Erfolgen kamen. So konnten schon 1928 und 1929 württ. Meisterschaften auf der Bahn und Straße von den Fahrern Scheuffele-Bürkle errungen werden. 1929 gelang es Bürkle sogar, in den Endlauf der deutschen Fliegermeisterschaft in Frankfurt eingreifen.

Doch eine Nachtigall macht noch keinen Sommer; so war auch die Breitenarbeit im "Schwobaland" die Hauptaufgabe des Vereins und es war immer wieder eine Freude, wenn der Verein zu einer Wanderfahrt rief, und alle kamen. Mannschaftsarbeit wurde bei den Vierer-Vereins-Mannschaftsrennen vordemonstriert. "Schwobaland" war stets mit an der Spitze, hatten doch die Lokomotiven gezeigt, dass sie 100 km im Einzelstart gegen die Uhr in der Zeit von 2 Stunden 50 Minuten bewältigen konnten. Deshalb war es immer eine Ehre, wenn man das grün-rote Trikot tragen durfte.

Eine gewisse Unsicherheit brachte das Jahr 1933 in das Vereinsleben; dieses Jahr durfte der Verein noch bestehen. Dann war es da, das Jahr 1934, und "Schwobaland", wie so mancher andere Stuttgarter Verein musste sich auf höheren Befehl einen Partner suchen. Wer damals noch etwas skeptisch dem Zusammenschluss von "Stuttgardia" und "Schwobaland" entgegensah, war sich später bewusst, dass es eine andere Lösung gar nicht geben konnte; denn in den beiden Vereinen waren ja gerade diese Radsportfans, ohne die ein Verein und der Radsport gar nicht leben kann. Somit stand der Vereinigung der beiden Vereine nichts im Wege. Der Radfahrer-Verein "Stuttgardia-Schwobaland" 1908 Stuttgart war geboren.

Dieser Verein besaß einen großen Rennfahrerstamm, der in den Jahren 1934-38 mit Erfolg in die Ereignisse auf Bahn und Straße eingriff. Die bekanntesten Rennfahrer dieser Zeit waren Paul Bühler, August Kimmig, Emil Ott, Walter Götz, Otto Keilbach, Adolf Kurz, Erich Clement, Eugen Hasenforther, E. Lähr, Walter Söll, Alfred Hirth und Josef Kaiser, zu denen später noch die Kameraden Wilhelm Frasch und Walter Enßle kamen. Zu dieser Zeit besaß der Verein auch eine starke Jugendabteilung mit Daniel Schweizer, Gottlob Adam, Alfred Laub, W. Bullinger und anderen. Sämtliche Meisterschaften im Vereins-Mannschaftsfahren fielen in diesen Jahren an den RV Stuttgardia-Schwobaland; wie auch auf der Stuttgarter Winterbahn die erfolgreichsten Amateure Angehörige von Stuttgardia waren. Ganz besonders zeichneten sich hier Bühler, Götz, Ott, Kimmig und Keilbach aus, die vorwiegend Bahnrennen bestritten und auf allen Bahnen Süddeutschlands mit tonangebend waren. Bühler/Götz starteten auch mehrmals mit Erfolg in der Schweiz.

Im Mai 1938 feierte der Verein sein 30-jähriges Bestehen mit einem Festbankett im Saalbau Dinkelacker, wobei auch der Saalsport zur Geltung kam. Vormittags fand das internationale Straßenrennen "Rund um Stuttgart" statt.

Der von Fritz Silberhorn gut geführte Verein besaß Anfang 1939 30 aktive Rennfahrer, darunter mit wenigen Aussnahmen sämtliche württembergische Spitzenfahrer, sowie vielversprechenden Nachwuchs. Als größtes Talent erwies sich W. Schertle, der bereits mit 19 Jahren zu den besten deutschen Fliegern zählte und in mehreren Länderkämpfen eingesetzt wurde. Wie dominierend Stuttgardia damals war, geht schon aus der Tatsache hervor, dass am 7. Mai 1939, im Rahmen des Stuttgarter Stadtlaufs, ein Vereins-Mannschaftsfahren stattfand, wobei Stuttgardia 7 Mannschaften mit je 4 Mann stellte und die ersten 4 Plätze an Stuttgardia-Mannschaften fielen. Gute Veranlagung als Straßenfahrer zeigten Josef Wetzel und Walter Widmaier. August Kimmig wurde Winterbahnmeister in der Stadthalle.

Durch den Kriegsausbruch am 1. September 1939 gingen viele Hoffnungen verloren, denn über die Hälfte der Aktiven wurden sofort eingezogen. Der Sportbetrieb ging jedoch trotz großen Einschränkungen weiter. Das Kriegsjahr 1940 war dann die große Zeit von Willi Schertle, dem in Deutschland nur noch die Berliner Purann und Bunzel im Fliegerrennen gewachsen waren. Außerdem waren noch A. Kimmig und J. Wetzel bei den immer seltener werdenden Rennen in Württemberg erfolgreich. Am 17. Juni 1940 wurde Willi Schertle in Hannover Deutscher Fliegermeister über 1000 m und mit Greiner (Mühlheim) zusammen auch Deutscher Meister im Tandemfahren. Damit holte zum ersten Mal ein Württemberger, in der Geschichte des württ. Radsports, eine deutsche Meisterschaft nach Württemberg. Er bestätigte seinen Erfolg in der Folge durch mehrere erfolgreiche Starts bei internationalen Rennen in Dänemark, Wien und Zürich. Durch die Kriegsereignisse wurde der Sport immer mehr zurückgedrängt. So gab es 1942 bis 1944 in Württemberg kaum noch Rennen. Nur Reinhold Steinhilb, der 1942 als Sechszehnjähriger von Zuffenhausen kommend unserem Verein beitrat, ging zusammen mit P. Bühler und Rittmann an einigen Rennen im Elsaß an den Start.

Bis 1945 ruhte der Sport ganz und nur zögernd begann im Herbst 1945 wieder das Vereinsleben, als sich einige Kameraden wöchentlich einmal in der Schnellgaststätte am Alten Postplatz trafen. Es waren dies die Kameraden Silberhorn, Bühler, Hahn, Faußner, Bezner, Hasenforther, Rittmann, Steinhilb und Mergenthaler. Unser ideales Klublokal, der "Salzburger Hof", in der Gartenstraße, wurde ein Opfer des Krieges, wobei leider auch der mit Pokalen und wertvollen Ehrenpreisen voll besetzte Vereinsschrank völlig verbrannte. Der Krieg hat den Verein schwere Opfer gekostet; denn so bekannte Rennfahrer wie Wilhelm Frasch, Emil Ott, Walter Enßle, Adolf Kurz, Alfred Hirth, Josef Kaiser, Daniel Schweizer, Gottlob Adam, Walter Widmaier und Ernst Fabian mussten ihr Leben lassen.

Obwohl die Lokalfrage nach dem Kriege nicht zur Zufriedenheit gelöst war, ging der Sportbetrieb langsam wieder voran. 1946 führte der Verein eine große Städtestaffel durch. Die sportlichen Erfolge unserer Kameraden Schertle, Bühler, Steinhilb sowie Rittmann und Hasenforther waren ohne Beispiel. W. Schertle holte sich am 17. August 1947 in Frankfurt 4 süddeutsche Meistertitel; im Fliegerrennen, Verfolgungsrennen, 10 km-Malfahren und 50 km Mannschaftsfahren zusammen mit P. Bühler. Er gewann auch am 31. August in köln zum 2. Mal den Titel Deutscher Fliegermeister. Eugen Hasenforther gewann mit Stubbe zusammen die Deutsche Meisterschaft 1947 im 100 km-Mannschaftsfahren. Reinhold Steinhilb wurde inzwischen Berufsfahrer und setzte sich auch hier mit Erfolg durch. Schertle/Bühler waren 1947 mit Abstand die beste deutsche Amateurmannschaft, die von Erfolg zu Erfolg eilte. 1948 gab P. Bühler ein einjähriges Gastspiel als Berufsfahrer und gewann mit R. Steinhilb auch einige Mannschaftsrennen. Am 29. August 1948 gewann Eugen Hasenforther zur allgemeinen Überraschung in Köln die Deutsche Straßenmeisterschaft der Amateure.

Anfang Januar 1949 feierte der Verein in bescheidenem Rahmen, im Rebstöckle in Heslach, sein 40 jähriges Jubiläum und taufte gleichzeitig seinen Namen in Radsportverein "Stuttgardia" um. Wenige Monate zuvor verließ der langjährige 1. Vorstand Fritz Silberhorn Stuttgart, um in Hessen eine neue Heimat und berufliche Existenz zu finden.

Das Jahr 1949 sah R. Steinhilb als überaus erfolgreichen Berufsfahrer, wobei vor allem sein 3. Platz in der Deutschlandfahrt herausragte. Auch den Klassiker "Rund in Köln"  hat er im selben Jahr gewonnen. Dies gab dem Vereinsleben mächtig Auftrieb, nicht zuletzt auch durch die Trainertätigkeit von Paul Bühler, der auf seine Reamateurisierung wartete. Anfangs 1950 hatte der Verein eine Jugendabteilung mit über 30 Mann. Das war einmalig in der Geschichte des württembergischen Radsports. So war daher der Tod von Paul Bühler, der am 11. Juni 1950 an den Folgen eines am Vorabend im Feuerbacher Tal erlittenen Sturzes (bei einem Fliegerrennen auf der Aschenbahn) starb, ein unersetzlicher Verlust. dieser schwere Schlag wirkte sich vor allem auf die Jugend aus, denn über die Hälfte der Jugendlichen gaben am Ende der Saison 1950 den Radsport auf. Es war eine besondere Tragik, dass Paul Bühler ausgerechnet bei einem Vereinsrennen, die ihm besonders am Herzen lagen, den verhängnisvollen Sturz machte, der zu seinem viel zu frühen Tod führte. Am 8. Oktober wurde in einem Kriterium, im Westen der Stadt, im Paul-Bühler-Gedenkrennen, öffentlich seiner Person gedacht. Es kamen nochmals seine großen Verdienste, vor allem für seinen Verein, zum Ausdruck.

Die leider viel zu spät erbaute Radrennbahn am Gaskessel, für deren Zustandekommen sich besonders Otto Keilbach und Vater Rösch bemüht hatten, wurde am 1. Oktober mit der Austragung der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft über 100 km für Profi feierlich eröffnet. Kamerad Steinhilb mit Berger (Rosenheim) belegte den 6. Platz. Unsere erfolgreichsten Aktiven in diesem Jahr waren Werner Schmid, Gottlieb Egeler, Heinz Rebstock und Herbert Kuhn, während in der Jugend Gebr. Kaufmann, Wurst, Schnelle, Bischoff und Klein die Besten waren.

Wenig verheißungsvoll ließ sich die Saison 1951 an, denn Meisterfahrer W. Schertle stürzte im Mai auf der Radrennbahn am Gaskessel so schwer, dass für ihn praktisch seine Laufbahn ein Ende fand. Ein nochmaliger Versuch, 3 Monate später in Ludwigsburg, misslang, denn die erlittene Rückenmarkverletzung machte eine mehrjährige Heilung notwendig. Damit endete eine Rennfahrerlaufbahn, die in Württemberg seinesgleichen sucht, denn in seiner 15jährigen Laufbahn als Radrennfahrer hat Willi Schertle über 400 Rennen gewonnen.

Durch eine mehrwöchige Sperre der Fahrer Rebstock und Kuhn wurde der Verein um eine sichere Württembergische Meisterschaft im Vereins-Mannschaftsfahren gebracht. Als guter Dauerfahrer entpuppte sich Reinhold Steinhilb, indem er in mehreren großen Steherrennen, auf der Bahn am Gaskessel, gegen die damaligen Weltklasse-Steher Lohmann, Leseur (Frankreich), Frosio (Italien), sowie Metze (Auen), ganz groß mitmischte. Werner Schmid, der als Straßenfahrer ganz nette Erfolge buchen konnte, hing das Rennrad, aus beruflichen Gründen, an den berühmten Nagel, sodass der Verein einen weiteren guten Aktiven nicht mehr zur Verfügung hatte. Dafür kam dann mit Eberhard Kienle ein guter Ersatz, der sich besonders in Mannschaftsrennen mit Baitinger hervortat. Heinz Rebstock zeichnete sich als Kriteriumsspezialist aus. Das Jahr 1952 brachte uns außer der Württembergischen Meisterschaft im Vereins-Mannschaftsfahren und einigen Einzelerfolgen von E. Kienle, Rebstock, Wurst und Kuhn auch eine große Enttäuschung ein, denn bei der Deutschen Meisterschaft im Mannschaftsfahren, in Speyer, belegte unsere Mannschaft, die vollkommen versagte unter 16 Mannschaften gerade noch den vorletzten Platz.

Nach dem Vereinswechsel zum 1. RV Stuttgart errang Eugen Hasenforther  in 1952 mit seinem Partner Fritz Hennesch noch mal einen  Sieg bei der Deutschen Meisterschaft im Zweier-Mannschaftsfahren auf der Bahn.

Die Erfolge wurden 1953 immer noch spärlicher, obwohl sich R. Steinhilb als Trainer die größte Mühe gab. Beste Leistungen waren die Erringung der Württembergischen Meisterschaft durch E. Kienle in Trossingen, sowie die Wiederholung des Sieges in der Vierer-Mannschaftsmeisterschaft in Schwäbisch Hall.

Bei unseren Aktiven trat im Jahre 1954 ein weiterer Rückschritt ein und mit unserer Vormachtstellung im Rennsport war es vorbei. Jetzt spielte der Stuttgarter Sport Club mit seinen von überall hergeholten Fahrern die erste Geige. Die Erfolge unserer Fahrer waren mehr als mäßig. Dafür hatten wir im Winter 1954 auf 1955 eine gute Fußballmannschaft, die durch Bombensiege über SSC und Eltingen mit je 9 zu 0 Toren, sowie über Ludwigsburg mit 5 : 3 und Cannstatt mit 4 : 2 Toren den Namen "Stuttgardia" hoch hielt.

Einen wertvollen Zuwachs hatten wir mit dem Beitritt von Norbert Geiger (bisher Onstmettingen) zu verzeichnen, der Anfang Mai 1955 zu uns kam und sich mit 2 Siegen in Straßenrennen gleich gut einführte. Der aus der Jugend herausgekommene Günter Haid zeigte auch gute Anlagen. Mit einer Glanzleistung wartete Geiger am 3. Juli auf, wo er in dem Mammutdistanz-Rennen Nürnberg-München-Nürnberg über 360 km den 2. Platz belegte. Damit hatte es leider sein Bewenden, denn weitere Erfolge waren in dieser Saison nicht mehr zu verzeichnen. welchen Tiefstand unsere Rennfahrer erreicht hatten, geht schon aus der Tatsache hervor, dass wir bei der Vierer-Vereins-Mannschaftsmeisterschaft im August auf der Solitude, mit Ach und Krach gerade noch Dritter werden konnten. Diese Mannschaftsrennen waren seit Jahrzehnten eine Domäne der Stuttgardia-Mannschaften.

Umso mehr machte sich der Verein als Veranstalter einen Namen, denn mit "Rund um Stuttgart" im Frühjahr und vor allem dem internationalen "Großen Preis der Solitude" im Herbst führten wir ohne Übertreibung die bedeutendsten Rennen in Baden-Württemberg durch.

Ein schwerer Verlust für den Verein war der Tod von Wilhelm Hahn, der am 8. März 1956 nach langer Krankheit starb. Wilhelm Hahn war seit Bestehen des Vereins ein großer Förderer der Rennfahrer und stand ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Er war ihnen ein väterlicher Freund, der mit dazu beitrug, dass der Verein in der Zeit zwischen den beiden Kriegen so große sportliche Erfolge hatte.

Nachdem es im Jahre 1956 nur ganze 3 Stuttgardia-Siege gab, wobei der Sieg von "Noba" Geiger im internationalen Straßenrennen "Innsbruck-Reutte-Innsbruck" schon einige Bedeutung hatte, ließ sich die Saison 1957 wieder etwas besser an. Recht gut ging Geiger in die neue Rennzeit, denn er wartete bei den ersten bundesoffenen Straßenrennen mit vorderen Plätzen auf, sodass er dann im Juni in der Nationalmannschaft einen sicheren Platz inne hatte. Er gewann auch am 7. Juli 1957 die Württembergische Straßenmeisterschaft. Auch Breutner, Petermann, Pfleiderer und V. Römersperger zeigten recht ansprechende Leistungen, während bei der Jugend Donaubauer, Ruck und Ohmenhäuser einige nette Erfolge erringen konnten. Vom Pech verfolgt war N. Geiger, als er nach der Deutschen Meisterschaft am 21. Juli in Saarbrücken, aufs Krankenlager geworfen wurde und so um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Belgien kam. Er war bereits in der deutschen Vertretung aufgestellt und gemeldet worden. Somit war für ihn auch gleichzeitig die Saison vorzeitig beendet. Beachtlich war der 3. Platz unserer Mannschaft (G. Haid, K. Kaufmann, H. Petermann, H. Pfleiderer, V. Römersperger und Schmoog) bei der Württembergischen Vierer-Meisterschaft über 100 km am 1. September in Ulm, wo sie sich ohne Geiger und Breutner hervorragend geschlagen hat und für einen guten Saisonausklang sorgte.

Wenn es auch in den letzten 3 Jahren keine allzu großen Stuttgardia-Erfolge mehr gab, so kann der Verein trotzdem zuversichtlich in die Zukunft blicken, denn jeder Sportverein hat einmal eine Zeit, wo seine aktiven Sportler, weniger als erwartet, zu Erfolgen kommen.

Auch auf gesellschaftlichem Gebiet hat der Verein seinen Mitgliedern, Freunden und Gönnern stets etwas geboten. Alljährlich fand, von 1935 an, eine Winterunterhaltung statt, die meist im Januar in der "Friedenau", der "Weißenburg" oder in der "Hofbräuschenke" abgehalten wurde. Vor dem 2. Weltkrieg besaß der Verein sogar eine eigene Theatergruppe, die unter E. Faußner's Leitung bei allen Veranstaltungen mit guten Vorführungen aufwartete.

Nicht unerwähnt soll bleiben, welche Kameraden in 50 Jahren dem Verein als 1. Vorsitzender gedient haben. Es waren dies die Kameraden Schaber, Späth, Werner, Grieb, Silberhorn, Jaudes, Müller und Bayler. Am erfolgreichsten hat wohl Fritz Silberhorn gewirkt, denn von 1933 bis 1948, also 15 Jahre lang, hat er den Verein mit Umsicht und Tatkraft geleitet. In dieser Zeit hatte der Verein seine größten Erfolge auf sportlichem Gebiet. Heute führt der junge Kamerad Reinhold Steinhilb den Verein, und man kann ohne weiteres behaupten, dass er bei ihm in besten Händen liegt.

 

 

Rennerfolge der Vereine RSV Stuttgardia 1908 e.V. und 1. RV Stuttgart 1886 e.V. ab 1958-1970

 

1956 Hans Kappeler war Deutscher Meister im 2er Mannschaftsfahren auf der Bahn in Frankfurt mit Steger und errang insgesamt 23 württembergische Meistertitel

1958 Norbert Geiger wiederholte den Sieg von 1957 und wurde noch mal Württembergischer Meister im Einer-Straßenrennen 

1962 Günther Pötzschke siegte bei den Württembergischen Meisterschaften im Einer-Straßenrennen

1965 Württembergischer Meister im Mannschaftszeitfahren, Straße der A-Jugend über 50 km mit den Fahrern

           Günther Wirthwein, Willy Wirthwein, Joschka Fischer und Arnold Geiger

1965 Günther Wirthwein Württembergischer Meister in Einer-Straßenfahren der A-Jugend

1965 Württembergischer Meister im Mannschaftszeitfahren der A-Jugend auf der Bahn mit den Fahrern

           Günther Wirthwein, Willy Wirthwein, Arnold Geiger und Wolfram Balack,

1963 Württembergischer Meister im Mannschaftszeitfahren (Pötzschke, Boden, Graf und Czarnowski) über 100 km

1967-1972 war Jörg Frank der erfolgreiche Fahrer in Stuttgardia mit seinen ca. 80 gewonnenen Straßenrennen und 4 Jahre Zugehörigkeit in der Straßennationalmannschaft. 1971 und 1972 war Württembergischer Straßenmeister,  1971 gewann er das vorolympische Straßenrennen in München , beim traditionellen Eröffnungsrennen in Stgt.-Bad Cannstatt war er viermal in jener Zeit der 1.  Sieger und  konnte auch bei der Fernfahrt Straßbourg-Stuttgart sich zweimal als Sieger feiern lassen.

 

 

Rennerfolge des 1. RV Stuttgardia Stuttgart 1886 e.V. ab 1971

 

Herausragend war die sportliche Laufbahn von Sandra Schumacher mit ihren Erfolgen:

1982-83 zweifache Deutsche Meisterin im Einer-Straßenrennen der Mädchen

1984-85 zweifache Deutsche Meisterin im Einer-Straßenrennen der Frauen

1984 Olympische Spiele in Los Angeles, USA - Bronze-Medaille im Einer-Straßenrennen der Frauen

1985 Weltmeisterschaften in Giavera del Montella, Italien - Bronze-Medaille im Einer-Straßenrennen der Frauen

Uli Rottler,  1983 Sieger und 1984 zweiter Platz, in der Gesamtwertung der Rennserie "Um das Grüne Band der Dresdner Bank, 1985 Deutscher Meister am Berg

1984 holte Uwe Messerschmidt bei den Olympischen Spielen in Los Angeles, USA die Silber-Medaille im Punktefahren auf der Bahn

1985+87 war Uwe Winter Württembergischer Meister am Berg, 1987 Deutscher Vize-Meister im Einer-Straßenrennen, 1987 Württembergischer Meister im Einer-Straßenrennen, 1991 WM-Teilnehmer beim  Einer-Straßenrennen der Amateure in Stuttgart und 1992 Sieger der Württemberg-Rundfahrt

1986 siegte Christian Henn bei der Hessen-Rundfahrt, 1988 Olympische Spiele in Seoul, Südkorea - Bronze-Medaille im Einer-Straßenrennen der Amateure

1988 Deutscher Vize-Meister im Vierer-Mannschaftsrennen auf der Straße mit den Fahrern Thomas Benz, Friedhelm Mäckle, Uwe Winter und Christian Henn

Erfolge in der neu eingeführten Rennserie Rad Bundesliga auf der Straße:

1988 2. Platz Mannschafts-Gesamtwertung

1989 4. Platz Mannschafts-Gesamtwertung

1990 9. Platz Mannschafts-Gesamtwertung

1994 und 1995 Marco Kaufmann - LBS-Cup Baden-Württemberg Rennserie - Sieger in der Gesamteinzelwertung

1996 Andy Preisler Württembergischer Meister im Einer-Straßenrennen

1998 Holger Roth zweifacher Sieger bei den Württ.-Meisterschaften/Bahn, Einerverfolgung 4000 m und Punktefahrenl 

1998 Andreas Bauerheim, Jugend errang den 2. Platz bei DM im Querfeldein

1999 Jens Giese, Holger Roth mit Brüder Wörner (RSV Öschelbronn) Bad.-Württ. Meister auf der Bahn in der Mannschaftsverfolgung 4000 m

1999 Moritz Veit, Jugend errang den 3. Platz bei DM im Querfeldein

2000 Jens Giese, Württ.-Meister im Einer-Straßenrennen

2000 Patrick Betz, Junior, Sieger DM im 2er-Mannschaftsrennen auf der Bahn, 3-facher Bad.-Württ. Meister auf der Bahn im Sprint, Punktefahren und 2er-Mannschaftsrennen

2001 Holger Roth, Sieger bei Bad.-Württ.Meisterschaften auf der Bahn, Einzelverfolgung 4000 m

2001 Matthias Munz, Jugend, Deutscher Meister, Bahn in der Mannschaftsverfolgung 3000 m

2001 und 2002 Rad-Team Stuttgardia , 2. Platz im LBS-Cup Baden-Württemberg Männer Classic in der Mannschafts-Gesamtwertung

2002 Matthias Munz, Jugend, 2. Platz DM, Bahn in der Mannschaftsverfolgung 3000 m, 3. Platz DM, Straße im Mannschaftszeitfahren, 1. Platz Bad.-Württ. Meisterschaften, Bahn in der Mannschaftsverfolgung, 

 2002 Rad Bundesliga Männer U 23  Mannschafts-Gesamtwertung 13. Platz für Team Stuttgardia

Einzel-Gesamtwertung 2002 
42. Platz 59. Platz 65. Platz 88. Platz 97. Platz
Peter Schmid Martin Schmidt Janusch Laule Dominik Neupert René Schild

 2003 Rad Bundesliga Männer U 23 Mannschafts-Gesamtwertung 11. Platz für Team Stuttgardia

Einzel-Gesamtwertung 2003

27. Platz 35. Platz  58. Platz 94. Platz
Peter Schmid Janusch Laule René Schild  Benjamin Diemer

 2004 Rad Bundesliga Männer U 23 Mannschafts-Gesamtwertung 8. Platz für Team Stuttgardia 

Einzel-Gesamtwertung 2004   

22. Platz 24. Platz, 41. Platz, 45. Platz
Peter Schmid Janusch Laule Daniel Aigner Benjamin Diemer

 2005  Rad Bundesliga Männer U 23 Mannschafts-Gesamtwertung 14. Platz für Team Stuttgardia 

Einzel-Gesamtwertung 2005

27. Platz 81. Platz 86. Platz 120. Platz
Daniel Aigner Benjamin Diemer David Kattenstroth Philipp Sohn

2007 Tim Schlichenmaier, Jugend, 1. Platz DM, Bahn in der Mannschaftsverfolgung 3000 m,